Rezensionen


„Ein Buch ist wie ein Garten, den man in der Tasche trägt!“ Arabisches Sprichwort


Das Klimafolgen-Buch erschienen bei hogrefe: Nachhaltigkeit ist der Schlüssel zum Überleben der Menschheit. Gehen Sie auf das Dreieck, um mehr zu erfahren.

Als ich auf das Klimafolgen-Buch stieß, wollte ich es sofort lesen. Endlich ein Werk für beruflich Pflegende zu Klimaschutz und Klimaanpassung – eine seltene Lektüre. Es lohnt sich, als Pflegefachperson dieses Buch zur Hand zu nehmen und den bekannten Begriff „Ganzheitlichkeit“ zu erneuern. Jedes Kapitel bricht das pflegerische Silodenken auf und verknüpft die globale Lage – Erderwärmung, Extremwetter, CO2-Emissionen, Biodiversitätsverlust, Ökozid, Konflikte, Fluchtbewegungen und demografischer Wandel – mit der beruflichen Perspektive. Diese Verflechtungen schaffen ein neues Verständnis der Risikoverteilung und Handlungsoptionen im Gesundheitswesen. Mir wurde wieder deutlich, mit welcher Wucht die Klimakrise auf die Pflegekrise trifft. Dabei bieten Klimaschutz und Klimaanpassung die Chance für echte interprofessionelle Zusammenarbeit im Gesundheitswesen.

Die Lektüre ermöglicht einen Schritt zurück, um das größere Bild zu sehen. Fragen wie „Was bringt es mir?“ oder „Was kostet es mich?“ erübrigen sich. Wir haben keine Wahl, aber es ist eine Chance für die Pflegeprofession, denn wir haben einen exklusiven Zugang zur Bevölkerung. Die Vielfalt der Autor:innen beeindruckt und bietet umfassende Perspektiven auf die Thema der Polykrisen auf 411 Seiten.

Das Buch besticht durch klare Gliederung: Analyse der Gesamtsituation, Klimafolgen im Gesundheitskontext, Lösungskonzepte und Handlungsoptionen. Ein Kapitel widmet sich der Ernährung: Eine pflanzenbetonte Ernährung wäre ein großer Hebel für Klimaschutz und Gesundheit in der Prävention. Beruflich Pflegende haben aus meiner Sicht diese positiven Auswirkungen noch nicht erkannt. Auch die Verbindung zwischen Klimakrise und Psyche ist wenig bekannt. Wer weiß schon, dass Luftqualität Demenzen oder Verkehrslärm Depressionen begünstigen? 

Des Weiteren fordert das Buch die Politik auf, in Ressourcen und Anerkennung des Pflegeberufs zu investieren und die Pflege als Schlüsselelement im System zu verstehen. Klimaschutz ist Gesundheitsschutz – ein klassisches Co-Benefit. Unsere Gesundheit würde von Klimaschutzmaßnahmen stark profitieren.

Der Text zeigt, dass nicht nur die Pflegeausbildung, sondern auch die Praxis ein Umdenken braucht. Fort- und Weiterbildung müssen Nachhaltigkeit stärker fokussieren. Gerade in der Praxis braucht es Handlungsoptionen für Klimaneutralität und soziale Gerechtigkeit. 

Die tollen und feinhumorigen Illustrationen unterstützen die komplexen Inhalte. Best-Practice-Beispiele zeigen, wie Leser:innen nachhaltiges Handeln und bewussten Konsum fördern können. 

Darüber hinaus hätte ich mir gewünscht, dass die juristische Perspektive auf Umweltzerstörung und die Änderung der römischen Statute thematisiert wird. Dies würde Verantwortliche für Klima- und Umweltzerstörung zur Rechenschaft ziehen. Das Thema des Ökozid als Straftatbestand hätte das Bild komplettiert. 

Auch die Dominanz medikamentöser Behandlungskonzepte kommt zu kurz. Eine Abkehr vom Reparaturbetrieb hin zu Primärprävention wäre nötig. Auch der Einfluss globaler Finanzströme auf Klima- und Biodiversitätskrise hätte weitere Zusammenhänge hergestellt, denn das Gesundheitssystem ist Teil der Wirtschaft. 

Abschließend ist das Buch eine Pflichtlektüre für beruflich Pflegende. Schon heute sind sie mit Klimaflucht, Konflikten, Hitzetoten, Extremwetter, Wasserknappheit und Infektionskrankheiten konfrontiert. Das Buch zeigt, dass bei technischen und naturbasierten Lösungen noch unklar ist, ob sie die Ursachen des Biodiversitätsverlusts und Klimawandels bekämpfen oder eher weiter befeuern. Es hilft, das „Silodenken“ zu überwinden und Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen.

Unbedingt lesen!